Monitoring der Umweltwirkungen von GVO


Als neuer und aktueller Aufgabenschwerpunkt ergänzt das Monitoring der Umweltwirkungen von gentechnisch veränderten Organismen (GVO-Monitoring) das Arbeits- und Forschungsspektrum des Ökologie Büros.

Pollenmonitoring T+B Sammler
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Die Anwendung der „grünen Gentechnik“, d.h. die Anwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) in der Landwirtschaft, wird in den europäischen Ländern als sehr kontrovers beurteilt. Sowohl unter den Bürgern als auch unter den Fachwissenschaftlern scheiden sich Befürworter, Kritiker und Gegner. Sowohl ethisch als auch rechtlich gilt es als hohes Gut, Umwelt und Gesundheit der nachfolgenden Generationen zu schützen und deren nachhaltige Entwicklung zu bewahren. Jeglicher Eingriff in das Erbgut, das an die nachfolgenden Generationen vererbt wird, sich darüber weiter vermehren kann und somit nicht mehr rückgängig zu machen ist, ist daher einer besonders sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Dies kann als gemeinsame Basis angesehen werden und ist auch per Gesetz so vorgesehen. Andererseits bietet die Technologie Chancen, die genutzt werden wollen.

Zur  Bewertung von Chancen und Risiken der Gentechnik fehlen jedoch ausreichend gesicherte Kenntnisse über die Langzeitwirkungen von GVO auf Mensch und Umwelt. Dies ist nicht verwunderlich, da es sich um eine neue Technologie handelt, mit der wir noch nicht viel Erfahrung haben, wie ein verantwortlicher Umgang auszusehen hat. Auf der einen Seite gilt es die Technologie weiter zu entwickeln, so dass künftige Chancen genutzt werden können. Zum anderen dürfen die bestehenden Optionen für die nachfolgenden Generationen nicht durch einen zu sorglosen Umgang mit der Technik frühzeitig verspielt werden. Dies gilt auch für eine ernst gemeinte Koexistenz von konventionellem und ökologischem Anbau und allgemein für Evolution und Sukzession als Naturerbe.

In der BRD und in der EU ist man seit einiger Zeit bestrebt, den Bereich durch entsprechend gebündelte und koordinierte Massnahmenpakete anders und besser verantwortlich als die USA und Kanada in den Griff zu bekommen. Für Gentechniklabore herrschen strenge Sicherheitsvorschriften und sämtliche GVP, die zur Anwendung kommen sollen, müssen angemeldet und genehmigt werden. Hierbei gilt das Vorsorgeprinzip und es sind für jedes GVP sukzessive Genehmigungsschritte vorgesehen. Die spezifische Sicherheits- und Risikoforschung beginnt im geschlossenen Laborversuch (Part A). Ergeben sich daraus keine Ablehnungsgründe, können sich begrenzte Freisetzungsversuche (Part B) anschließen. Der nächste Schritt beinhaltet dann die allgemeine Anwendung von GVP in der Landwirtschaft (Part C). Es gibt jedoch Fragen, insbesondere was den großflächigen Anbau und Langzeitwirkungen betrifft, die im Laborversuch oder im begrenzten Feldversuch nicht oder nur unzureichend geklärt werden können. Die EU-Freisetzungsrichtlinie 2001/18/EG vom 21. März 2001, die mit Wirkung vom Oktober 2002 in der EU gilt, schreibt daher die Etablierung eines EU-weiten Langzeit-Monitoring-Programms für gentechnisch veränderte Kulturpflanzen vor. Über eine langjährige Überwachung und Beobachtung bestimmter und allgemeiner Umweltparameter sollen Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen, die einer nachhaltigen Entwicklung von Mensch und Umwelt entgegenstehen können, möglichst frühzeitig erkannt werden, so dass gegebenenfalls gegensteuert werden kann. Mit dem Gentechnik-Gesetz von 2004 stehen weitere entscheidende gesetzliche Grundlagen zur Verfügung, die Aussagen zur Regelung von Anbau und Freisetzung von GVP, zu Haftungsfragen und zur Koexistenz machen. Einige wichtige Fragen zum Monitoring und zur Überwachung sind allerdings noch ungeklärt, z.B. wie das Monitoring aussehen und vonstatten gehen soll und wie die Überwachung und Abwehr illegaler Anwendungen von GVO erfolgen sollen.

Die nunmehr anstehende Aufgabe ist es, eine entsprechend leistungsfähige und effiziente Umweltüberwachung für GVO zu konzipieren und in Abstimmung mit anderen Umweltbeobachtungs- und Überwachungsinstrumenten aufzubauen, so dass synergistische Effekte genutzt werden können. Hierbei müssen die Verfahren länderübergreifend in der BRD und in der EU anwendbar sein, so dass entsprechende Standardisierungen erforderlich sind. Für die Effizienz bedeutend ist hierbei ein enges Zusammenspiel von Saatgutkontrolle/Einfuhr, Anbauregister und Anbau-/Freisetzungsüberwachung als Quellen mit der repräsentativen Überwachung von Exposition und von potentiellen ökologischen Wirkungen der GVO. Angesichts der Vielfalt an GVO und möglicher Auswirkungen können und müssen hier synergistische Effekte genutzt werden, indem das Langzeitmonitoring von GVO sinnvoll mit anderen Überwachungsinstrumenten abgestimmt wird. Aus der langjährigen Erfahrung in der Umweltüberwachung wissen wir, dass bestehende Überwachungslücken über Kurz oder Lang zum allgemeinen Schaden (aus)genutzt werden, und nur dort eine effiziente Kontrolle erzielt wird, wo eindeutige Vorschriften mit Sanktionen bestehen und somit das Signal ausgeht, dass Vergehen auch entdeckt und geahndet werden können.

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Das Ökologie Büro ist im Bereich Umweltmonitoring von GVO auf verschiedenen Ebenen tätig:

- Wir führen Forschungs- und Modellvorhaben im Auftrag des Umweltbundesamtes und verschiedener Bundesländer, u.a. Bremen, Bayern, NRW, durch.

- Das Bremer Modellprojekt zum GVO-Pollenmonitoring (2000-2003) ist abgeschlossen. Der Projektbericht ist als BfN-Script 139 erschienen und vollständig im Netz verfügbar [Link BfN-Script 139] Kurzfassungen finden sie unten.

- Das Folgevorhaben Bund-Länder-Modellprojekt Bayern III: Raumrepräsentativität technischer Pollensammler [TU München] ist abgeschlossen.

- Ein Gutachten zur Abschätzung der Maispollendeposition in Relation zur Entfernung von Maispollenquellen mittels technischem Pollensammler PMF wurde im Auftrag des Bundesamtes f. Naturschutz BfN im Juli 2007 erstellt [Link zum Gutachten].

- Ergebnisse des Pollenmonitorings im Schutzgebiet Ruhlsdorfer Bruch zur Maispollenexposition aus dem Bt-Maisanbau in 2007 im Auftrag des Landesumweltamtes Brandenburg. [Link z. Bericht LUA]   [Link z. Bericht NABU].
Link zur wissenschaftlichen Publikation in der UWSF, Springer
[Hofmann et al. 2008].

- Seit 2003 wurden weitere Vorhaben in diversen Bundesländern sowie weiteren europäischen Ländern durchgeführt.

-   Das Ökologie Büro beteiligt sich aktiv an der Standardisierung von GVO-Monitoringverfahren. F. Hofmann ist Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Fachbeirates „Monitoring der Wirkungen von gentechnisch veränderten Organismen (GVO)“ im VDI. Die VDI-Richtlinien zum Pollenmonitoring mit technischen Pollensammlern (VDI-Richtlinie 4330 Bl. 3) und Bienenhonig (Blatt 4) sowie zur PCR (Blatt 5) und eine Dachrichtlinie zum Monitoring der Umweltwirkungen von GVO (4330) sind in 2006 und 2007 als Weißdrucke beim VDI erschienen. Seit 2006 erfolgt eine europäische Standardisierung unter CEN. Informationen hierzu finden Sie unter VDI Kompetenzfeld Biotechnologie/GVO-Monitoring.

Informationen zu den Projekten finden Sie hier und unter Publikationen:

- Modellprojekt Bremen I: Technische und biologische Pollensammler und PCR-Screening für die erste Stufe des GVO-Umweltmonitoring (437kB)

- PollenMassenFilter PMF (1324kB)

- Bund-Länder-Modellvorhaben Bayern III: Raumrepräsentativität technischer Pollensammler [TU München]


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Aktualisiert 24.9.2007, Frank Müller / Martin Kuhlmann